Schlagwort: Rassismus

07.04.: Gegen den Naziaufmarsch in Kandel!

Am 07.04. mobilisieren Nazis und Rassisten wieder zu einem Aufmarsch im südpfälzischen Kandel. Dieses Mal unter der Federführung des Faschisten Marco Kurz und nicht mehr unter der des AfD-geführten „Kandel ist überall“.

Wir rufen dazu auf, sich an den Gegenaktionen in Kandel zu beteiligen: Eingreifen, wenn es wichtig ist!

Zugtreffpunkt aus Stuttgart: 10:40 Uhr | vor dem Burger King | Hbf.

Bericht von den Gegenaktionen und dem Aufmarsch am 24.03.

Kandel: Am 24. März eingreifen!

Eingreifen wenn es wichtig ist
Gegen den rechten Aufmarsch!
 
Wir rufen zu einem kämpferischen und entschlossenen Antifa-Block auf der Bündnisdemonstration von „Wir sind Kandel“ auf. Im Anschluss rufen wir zu Aktionen an der Nazidemo auf.
 
Zugtreffpunkt: Sa 24. März | 11 Uhr | vor dem Burger King | Stuttgart Hbf.
 
Aktuelle Infos der Kampagne „Eingreifen, wenn es wichtig ist!“: Blog| Facebook
 
Bereits drei Mal seit Jahresbeginn marschierten bis zu 3000 Rechte und Nazis durch die Kleinstadt Kandel in der Südpfalz. Kandel, das nur ca. 20 Minuten von Karlsruhe entfernt liegt, wurde von Nazis und RassistInnen ausgewählt, weil dort Ende des vergangenen Jahres eine 15-jährige, junge Frau von ihrem Ex-Freund brutal erstochen wurde. Wie man sich denken kann, geht es den meist männlichen Demonstranten nicht um Gewalt an Frauen oder einer prinzipiellen Gegnerschaft zur Unterdrückung der Frau: Wäre der Täter nicht als Geflüchteter nach Deutschland gekommen, wäre der tragische Tod der jungen Frau – wie so häufig bei Fällen patriarchaler Gewalt – als Randnotiz in den Zeitungen verhallt. >> Weiterlesen

Kandel – Eingreifen wenn es wichtig ist!

Am 3. März auf nach Kandel gegen den rechten Aufmarsch – Infos zur Anreise aus Stuttgart folgen. Wir dokumentieren unten einen Text, der auf de.indymedia.org veröffentlicht wurde.

Wir erinnern uns an den Winter 2014/15. Damals begann, von Dresden ausgehend, etwas, das in Deutschland jahrelang nicht denkbar war. Es gingen Hunderte, später Tausende unter rassistischen Parolen gemeinsam mit bekennenden Faschisten auf die Straßen Dresdens, Leipzigs, Karlsruhes. Diese rechte Bewegung war ein Motor des gesellschaftlichen Rechtsrucks der letzten Jahre. Uns, der antifaschistischen Bewegung, gelang es nicht dem angemessen zu begegnen, wir verfielen mancherorts in eine Schockstarre oder rieben uns, oft genug zahlenmäßig unterlegen, an Feuerwehraktionen auf. Hunderte Linke standen Tausenden Menschenfeinden gegenüber. Das gesellschaftliche und politische Klima wurde rauer, ein Trend der bis heute anhält.

Seit Januar marschieren nun in Kandel, einer Kleinstadt an der pfälzisch-badischen Grenze, Hunderte, zuletzt über Tausend Rechte, AfD‘ler bis hin zu Nazihools, auf. Ihnen gegenüber stehen bestenfalls einige Hundert engagierte Bürgerliche und einige Linke.

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Oury Jalloh – Das war Mord!

Kundgebung in Stuttgart – Gemeinsame Fahrt zur Demo nach Dessau

Am 07.01.2005 verbrannte Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle. Bis heute bestreiten Polizei, Justiz und Politik, was viele ignorierte Gutachten und offensichtlich vertuschte Beweismittel deutlich machen: Oury Jalloh wurde von deutschen Polizisten umgebracht.

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Februar 2016: Gemeinsam kämpfen gegen Rassismus und Sexismus

Es brodelt in Deutschland. Spätestens seit der Reaktionen auf die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln merkt man, dass etwas anders ist, als noch vor ein paar Monaten. Die gesellschaftliche Situation ist derart aufgeheizt und zugespitzt, dass jede Meldung von (angeblichen) Vergewaltigungen durch „ausländisch aussehende“ Männer ausreicht, um regelrechte Massenmobilisierungen auf den Plan zu rufen.

In diesem Text wollen wir kurz auf die Themen Sexismus, strukturelle Gewalt gegen Frauen, Rassismus und die Rolle der selbsternannten Frauenschützer in Zeiten eines politischen Rechtsrucks eingehen.

Sexismus und Patriarchat

Die strukturelle Unterdrückung von Frauen hat eine lange Geschichte und zieht sich durch die gesamte Gesellschaft. Das Patriarchat, also ein von Männern geprägtes und dominiertes Verhältnis in der Gesellschaft, ist omnipräsent und ist ein fester Bestandteil der Verhältnisse, in denen wir leben. Auch wenn die Unterdrückungsmechanismen im Vergleich zu früher vielleicht an manchen Stellen subtiler geworden sind und sich oftmals sogar fortschrittlich geben, besteht diese Unterdrückung der Frau weiter.

Woran sich das äußert? Da wären auf der einen Seite die nackten Zahlen von der ungleichen Bezahlung von Frauen und Männern in den selben Jobs und Positionen. Ganze 22% verdienen Frauen im Durchschnitt weniger, als ihre männlichen Kollegen; dass Frauen den Großteil der unbezahlten Reproduktionsarbeit im Haushalt oder der Kindererziehung übernehmen und so oftmals doppelt ausgebeutet werden: Im Job und daheim. Oder die Tatsache, dass sexualisierte Grenzüberschreitung und Gewalt fast ausschließlich Frauen widerfährt.

Auf der anderen Seite stehen die Fakten, die sich schwer mit Zahlen ausdrücken lassen, aber (für Frauen) deutlich wahrnehmbar sind. Dass Frauen von Männern tendenziell weniger ernst genommen werden, als schwach bezeichnet werden und deshalb „beschützt“ werden müssen, sie in Gesprächen häufiger unterbrochen werden und beim weggehen als „Freiwild“ wahrgenommen werden, die „Mann“ sich nur noch „abschleppen“ muss.

All das sind Beispiele, die eines verdeutlichen: Frauen sind noch lange nicht befreit oder dem Mann gleichgestellt. Da hilft auch keine Augenwischerei von angeblichen Frauenquoten in großen Unternehmen, wovon nur wenige Top-Verdienerinnen profitieren. Schließlich profitiert das kapitalistische System massiv von diesen Zuständen; hält es doch durch die unbezahlte Reproduktionsarbeit den Laden mit am laufen.

Jeden Tag gipfeln diese Zustände in offen gewalttätigen Formen, werden Frauen gegen ihren Willen begrapscht, geschlagen oder vergewaltigt. Gerade bei Großveranstaltungen, an denen sich hemmungslos betrunken wird, wie dem Wasen, an Fasnet, Silvester und dergleichen, wird oft die Situation ausgenutzt, um Frauen gegen ihren Willen sexuell anzugehen.

Doch nicht nur bei solchen Groß-Events spielen sich derartige Übergriffe ab. Nein, die meisten sexualisierten Übergriffe finden im häuslichen Umfeld, hinter verschlossenen Türen statt.

Sexualisierte Gewalt von Männern an Frauen ist nicht an der Nationalität, Religion oder Herkunft festzumachen oder eine „Spezialität“ in einer bestimmten Gegend der Erde, sondern der zugespitzte Ausdruck patriarchaler Unterdrückung, dem Frauen überall ausgesetzt sind.

Rassismus

Rassismus ist, wie Sexismus, nicht vom Himmel gefallen und auch keine Erfindungen von Rechten oder Faschisten. Sie sind tief in der Gesellschaft verwurzelt und jedeR reproduziert sie mehr oder weniger stark und bewusst. Es überrascht kaum, dass letztlich auch der Rassismus dem Kapitalismus zu Gute kommt: Spaltet er doch Menschen in verschiedene Gruppen, die aufgrund ihrer Stellung in der Gesellschaft eigentlich zusammen gehören und zusammen agieren könnten und müssten. Schließlich haben die große Mehrheit der werktätigen Bevölkerung mehr Gemeinsamkeiten mit Geflüchteten als mit ihren Chefs.

Die Rechten nutzen gerne den Rassismus, um Sündenböcke zu haben, die für alle Sorgen, Unzufriedenheiten und Missstände der Bevölkerung verantwortlich gemacht werden können. Das äußert sich momentan am deutlichsten gegenüber Geflüchteten.

Besonders der Kultur-Rassismus ist auf dem Vormarsch. Kultur-Rassismus bedeutet die Zuschreibung von bestimmten „Eigenschaften“ zur Herkunft der TrägerInnen oder die Abwertung ganzer (selbst definierter, anderer) Kulturen und damit einhergehend aller Menschen, denen unterstellt wird, dieser Kultur zu zugehören. Diese Spielart des Rassismus ist der zentrale Baustein der Ideologie der neuen Rechten, wie der AfD und ist im Grunde nichts anderes, wie der klassische Rassismus der vorigen Jahrhunderte, ersetzt man den Begriff „Kultur“ in ihren hetzerischen Reden mit dem etwas aus der Mode gekommenen Begriff „Rasse“.

Eine dieser Zuschreibungen von Eigenschaften ist beispielsweise die Unterstellung, Vergewaltigung gehöre zu einer bestimmten Kultur dazu, womit man dann jeden Mann aus einem „Kulturkreis“ (den man denkt, selbst definieren zu können) zum potenziellen Vergewaltiger erklären kann.

Instrumentalisierung

oder: Wer tönt denn da so laut?

Was wir im Moment erleben, ist eine Instrumentalisierung von sexuellen Übergriffen in einem stark rassistisch aufgeladenen gesellschaftlichen Klima. In Zeiten, in denen kein Anlass ausgelassen wird, um gegen Geflüchtete Stimmung zu machen, muss nun auch eine Diskussion über vermeintliche Frauenrechte bzw. der Schutz „unserer“ Frauen herhalten.

Dass es den meisten Trägern dieser Positionen nicht um fortschrittliche Ansätze geht, wird deutlich, wenn man sich die Hintergründe dieser Personen und Gruppierungen genauer ansieht.

Da wäre z.B. der rechte Hetzer der CSU: Horst, „Macht die Grenzen dicht!“, Seehofer, der bei einer Abstimmung 1997, in der die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wurde, dagegen stimmte und damit sein Bild von Frauen und deren sexueller Selbstbestimmung eindrücklich unter Beweis stellte. Auch das rechte Sammelbecken „PEgIdA“ meldete sich unverzüglich zu Wort und instrumentalisierte die sexualisierten Übergriffe für ihre plumpe, rassistische Stimmungsmache und rief postwendend zu einer Demonstration in Köln auf.

Diese wurde von gewaltorientierten Hooligans und Nazis dominiert und mündete in Ausschreitungen und Angriffen auf AntifaschistInnen und MigrantInnen.

Die Forderung nach der weiteren Verschärfung des Asylrechts und Ausbau des inneren Repressionsapparates wurde nur wenige Tage nach den Vorfällen in Köln laut und zog sich durch das gesamte Parteienspektrum.

Die allgemeine Empörung und Verunsicherung vieler Menschen, die durch eine aufgeheizte Medienkampagne verbreitet wurden, nutzen vor Allem den Rechten.

Auf der einen Seite sehen sie ihr rassistisches Weltbild bestätigt, auf der anderen Seite nutzen sie die allgemeine Stimmung, um weiter und massenhaft gegen Geflüchtete zu hetzen.

Nazis und Rassisten ließen schließlich die Debatte praktisch werden, und veranstalteten in Köln regelrechte Hetzjagden auf Menschen mit migrantischem Aussehen.

Dieses Verhältnis von rassistischem Diskurs zu gewalttätigen Übergriffen durch Faschisten ist kein neues. Was in der „etablierten“ Politik als Fundament gelegt wird, gießt Öl ins Feuer der Faschisten.

Im letzten Jahr hat sich dieses Verhältnis deutlich gezeigt, als sich die (Brand)Anschläge auf Geflüchtete und deren Unterkünfte vervielfacht haben. Zuletzt der Handgranaten-Anschlag auf eine Unterkunft in Villingen-Schwenningen verdeutlicht, wozu Rassismus führen kann und leider auch weiter wird.

Die systematische Gewalt gegen Frauen muss immer und überall thematisiert und bekämpft werden. Eine konsequente antisexistische Praxis in allen Lebensbereichen und die Schaffung eines Bewusstseins dafür sind erforderlich, um an den herrschenden Unterdrückungs-Verhältnissen zu rütteln und sexualisierte Übergriffe möglichst zu verhindern oder nicht unbeantwortet zu lassen.

Eine plumpe Instrumentalisierung der Diskussion, die in rassistischen Forderungen und Pogromen gipfelt, verhöhnt nicht nur die Betroffenen der Übergriffe, sondern entlarvt die eigentlichen Beweggründe dieser Welle der „Empörung“.

Dem müssen wir eine gelebte antifaschistische und damit auch antisexistische Praxis entgegensetzen, die nicht die eine Unterdrückung gegen die andere ausspielt oder gegeneinander stellt – dazu gehört auch jeder Relativierung sexualisierter Gewalt eine Absage zu erteilen. Es wäre fatal, auf die rechten Rattenfänger reinzufallen und die vielerorts vorbildlich gelebte Willkommenskultur gegenüber von Menschen, die vor Hunger und Krieg flüchten, aufgrund von instrumentalisierten Vorfällen in Frage zu stellen…

Solidarität statt Rassismus!

Gegen jede Unterdrückung und Entmündigung von Frauen!

Keine Chance den rechten Hetzern!