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Erster Flyer zu den Kommunalwahlen

Am 26. Mai 2019 stehen die Kommunal – und Europawahlen an. Gemeinsam mit anderen Gruppen haben wir einen Flyer herausgegeben, der eine erste Sensiblität schaffen soll und außerdem einen Hinweis auf die alljährliche Nazifackelmahnwache in Pforzheim enthält.

Ihr könnt euch den Flyer entweder selbst ausdrucken oder uns eine Mail schreiben, um ihn zu erhalten.

–> Hier der Link: Flyer zu den Kommunalwahlen

Nicht lange fackeln! Die Nazifackelmahnwache am 23. Februar 2017 verhindern!

 

 

 

Alljährlich finden wir das gleiche Schauspiel in Pforzheim wieder – der „Freundeskreis ein Herz für Deutschland“ (FHD) versammelt sich mit anderen Faschisten auf dem Wartberg, um eine Fackelmahnwache abzuhalten. Sie beziehen sich dabei auf die Bombardierung Pforzheims durch die Alliierten am 23. Februar 1945. Für die faschistische Veranstaltung an dem historischen Datum werden die geschichtliche Ereignisse rund um die Befreiung bewusst umgedichtet und verschleiert. Sämtliche Gräueltaten des deutschen Faschismus, die systematische Vernichtung von Millionen von Menschen, die der rechten Ideologie nicht entsprachen, und der deutsche Angriffskrieg werden verschwiegen und verleugnet – dadurch rücken sie Deutschland in eine falsche Opferrolle. Diese geschichtsrevisionistische Schiene ist schon seit langem ein Standbein der faschistischen Weltanschauung. Blickt man also hinter die Fassade des harmlos klingenden „Freundeskreises“, wird klar, dass er ein aktiver Teil der rechten und faschistischen Kräfte in Pforzheim und der Region ist. >> Weiterlesen

2017 – Widerstand gegen den Rechtsruck organisieren!

AfD, Pegida, Faschisten – in den vergangenen Jahren verzeichneten Reaktionäre in der BRD insgesamt und auch vielerorts in Baden-Württemberg einen Aufschwung. Sowohl was Veranstaltungen und Aktionen in der Öffentlichkeit angeht, als auch gesellschaftliche Relevanz – das Klima wird rauer.

Wie schon in den letzten Jahren gilt es dieser Entwicklung unseren antifaschistischen Widerstand, auf verschiedenen Ebenen, entgegenzusetzen. Darüberhinaus wollen wir das Jahr 2017 auch nutzen uns zu vernetzen, zu bilden und auszutauschen. Schließlich ist nur ein organisierter Widerstand in der Lage dem gesellschaftlichen Rechtsruck etwas greifbares entgegenzusetzen. Über die lokalen und regionalen Aktivitäten hinaus stehen für dieses Jahr bereits einige Herausforderungen für die antifaschistische Bewegung fest: Neben den jährlichen Protesten gegen die Fackelmahnwache der Nazis in Pforzheim und dem bundesweiten Großaufmarsch in Karlsruhe wird uns insbesondere die Aktivität der rechtspopulistischen und faschistischen Kräfte rund um die Bundestagswahl beschäftigen.

Mit einem Antifa-Camp im Sommer wollen wir an die Debatten und den Austausch über antifaschistische Politik anknüpfen und uns besser vernetzen. Dagegen sein ist das eine, den Widerstand nachhaltig zu organieren das andere. Packen wir’s an!

 

Wichtige Termine 2017:

23.02. Pforzheim: Gegen die Nazimahnwache
Seit Jahrzehnten treffen sich auf dem Pforzheimer Wartberg Faschisten zur Fackelmahnwache. Wie jedes Jahr mobilisieren wir unter dem Slogan „Nicht lange fackeln“ gegen das faschistische Treiben!

03.06. Karlsruhe: Naziaufmarsch verhindern
Hunderte Nazis wollen Anfang Juni beim „Tag der deutschen Zukunft“ durch Karlsruhe ziehen. Wir mobilisieren gemeinsam mit anderen überregional zu Protesten & Blockaden!

08.-10.09. Antifa-Camp im Schwarzwald
Welche Antworten müssen wir auf den Rechtsruck geben? Wie sieht effektive Politik gegen die AfD aus? Wir wollen diskutieren, Erfahrungen austauschen und natürlich zelten. Sommer, Sonne, Antifa!

Sommer/Herbst: Den rechten Wahlkampf sabotieren
AfD, NPD, Drittem Weg usw. die Straße und die Räume streitig machen!

 

Check your local Antifa-Website:

Antifaschistische Aktion Karlsruhe
Antifaschistische Aktion Lörrach
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Mannheim
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Stuttgart
Antifaschistische Aktion [O] Villingen-Schwenningen
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Tübingen

Februar 2014: Der Verdrehung der Geschichte ein Ende setzen. In Pforzheim und anderswo!

Am 23. Februar 1945 wurde die Stadt Pforzheim großflächig von der britischen „Royal Air Force“ bombardiert. Dem Angriff auf die Innenstadt fielen über 17.000 Menschen zum Opfer, unter ihnen viele ZwangsarbeiterInnen, die in der Rüstungsindustrie eingesetzt wurden. Etwa 80 % des Stadtgebiets wurden durch Brand- und Sprengbomben innerhalb von etwa 20 Minuten zerstört.

Wie in den Jahren zuvor, rufen auch in diesem Jahr Faschisten und Deutschnationale aus mehreren Teilen Süddeutschlands am 23. Februar zu einer Kundgebung auf dem Wartberg am Rande der Stadt gelegen auf. Dabei verklären sie nicht nur die Geschichte und die damaligen Verhältnisse, sondern sie verharmlosen oder verleugnen sogar die Verbrechen des deutschen Faschismus von 1933 bis 1945. Das wird auch daran deutlich, dass sie ausschließlich den deutschen Opfern gedenken und im gleichen Atemzug ihre nationalistische und reaktionäre Einseitigkeit als richtig darstellen wollen. Mit dem Beginn ihrer Kundgebung, zur Uhrzeit der Bombardierung, um 19:47 Uhr und dem Entzünden von Fackeln, versuchen sie den Aufmarsch feierlich zu inszenieren.

Seit 1994 gibt es den Aufmarsch, seit 2002 die antifaschistischen Proteste dagegen. In besagtem Jahr gelang es das erste und bisher einzige Mal den Aufmarsch zu verhindern. Im letzten Jahr erreichten es knapp 1000 Antifaschistinnen und Antifaschisten, gemeinsam mit einer Spontandemonstration auf den Wartberg zu kommen. Erst wenige Meter vor der Kundgebung der Faschisten schaffte es die Polizei durch ein massives Aufgebot, uns zu stoppen, um so den Nazis ihr Ritual zu ermöglichen. Im Zuge dessen wurden hunderte AntifaschistInnen stundenlang – bei Minusgraden – eingekesselt. Durch die Proteste im letzten Jahr erreichten viele Faschisten den Kundgebungsort nicht, andere wiederum harrten bereits seit dem Mittag auf dem Wartberg in ihren Autos aus.

Auch 2014 rufen wir dazu auf, sich gegen den Naziaufmarsch konkret zur Wehr zu setzen und möglichst viele Menschen über den reaktionären und faschistischen Charakter dieser Form des „Gedenkens“ aufzuklären!

Die Geschichte des deutschen Faschismus ins rechte Licht gerückt

Nicht nur in Pforzheim versuchen Faschisten durch die Verdrehung der Geschichte Anknüpfungspunkte für ihr braunes Gedankengut zu finden, sondern auch in vielen anderen Städten und Regionen der Bundesrepublik. Die faschistische und deutschnationale Bewegung beschäftigt sich heute an vielen Orten mit Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, um letztlich immer eines zu sagen: Die Alliierten waren das Hauptproblem und die Deutschen waren hilflose Opfer der grausamen späteren alliierten Besatzer.
So versuchen Organisationen der extremen Rechten, Ereignisse aus dem Zweiten Weltkrieg umzudeuten, indem sie Lügen verbreiten, Fakten verdrehen, Tatsachen bewusst ignorieren oder weglassen und schließlich Deutschland als Opfer ausländischer Aggressionen darstellen. Durch das bewusste Aufgreifen nationalistischer und rassistischer Stimmungen und Ressentiments wird sich erhofft, Kontakte in bürgerliche Kreise aufzubauen, was ihnen mancherorts leider auch hin und wieder gelingt.

In Magdeburg oder Dresden…
Auch in Magdeburg und Dresden rufen Nazis am Jahrestag der Bombardierungen durch die Alliierten zu sogenannten Trauermärschen und Kundgebungen auf. Dabei sprechen sie von einem angeblichen „Bombenholocaust“ bzw. von „Terrorangriffen“ und gedenken ausschließlich den deutschen Opfern. Diesen Aufrufen folgten teilweise mehrere tausend Faschisten. Den vom faschistischen Deutschland begonnen brutalen Aggressions- und Expansionskrieg, die Drohung englische Städte auszuradieren und die massiven flächendeckenden Bombenangriffe auf England am Anfang des Krieges verschweigen sie natürlich. Ebenso vergessen sie, dass Flächenbombardements – gerade auf die Zivilbevölkerung – als Kriegsstrategie durch dieimperialistische deutsche Regierung mit dem „kleinen Bruder“ Italien zusammen entwickelt und etabliert wurden. Was 1937 in Guernica in Spanien durch die „Legion Condor“ begann, setzte sich in der britischen Stadt Coventry fort. Diese Kriegsverbrechen waren fester Bestandteil deutscher Kriegsführung in unzähligen weiteren Ländern. Das legitimiert die Flächenbombardierung Pforzheims natürlich nicht, gehört jedoch zum geschichtlichen Kontext.

…Memprechtshofen….
In Rheinau-Memprechtshofen in der Ortenau finden seit den 60er Jahren auch immer wieder Aufmärsche von Faschisten statt. Hintergrund ist: Am 14. April 1945 verschanzten sich Teile von verschiedenen deutschen Einheiten auf Wehrmachtsbefehl in einem Panzergraben und versuchten diesen gegen die vorrückenden französischen Truppen zu verteidigen. Auf französischer Seite gab es 49, auf deutscher Seite über 20 Tote und etliche Soldaten, die in Gefangenschaft gerieten. Diese militärische Kamikaze-Aktion versuchen Nazis bis heute als heldenhaften Widerstand und Opfermut zu glorifizieren und veranstalten daher seit 2011 jedes Jahr ein sogenanntes „Heldengedenken“. An vielen anderen Orten in Süddeutschland gibt es ebenfalls solche oder ähnliche Aktionen zu verschiedenen Anlässen.

…Remagen…
Ein weiteres Beispiel für den Geschichtsrevisionismus der extremen Rechten sind die regelmäßig stattfindenden Aufmärsche zu den Rheinwiesenlagern in der Nähe von Remagen. Im März 1945 richtete das amerikanische Militär im Rheinland knapp 20 Lager für Kriegsgefangene ein. Sie dienten als Sammel- und Durchgangslager für gefangene deutsche Soldaten während des Krieges und kurz danach. Ein Großteil der dort inhaftierten deutschen Soldaten wurde bis September 1945 entlassen oder auf andere Lager verteilt. In Bezug auf die Lager reden Nazis aus der NPD und freien Kameradschaften von „US-KZ’s“, in denen systematisch Deutsche ermordet worden seien.
Sie sprechen dabei von bis zu einer Million Toten. Allerdings entsprach die gesamte Anzahl inhaftierter Soldaten in den Lagern einer Million, wovon 5.000 bis 10.000 Menschen umgekommen sind.
Steilvorlagen für ihre Umdeutung der Geschichte finden die Faschisten in den Arbeiten vorgeblich seriöser HistorikerInnen, die zum Beispiel im Zusammenhang der Bombardierung deutscher Städte völlig übertriebene Opferzahlen nennen. Oder etwa die Behauptung aufstellen, die deutsche Wehrmacht wäre mit ihrem Feldzug im Osten, also dem Überfall auf die Sowjetunion, lediglich einem Angriff der Roten Armee zuvorgekommen. Auch die Positionen der Vertriebenenverbände, wie beispielsweise der „Sudetendeutschen Landsmannschaft“, bieten für die extreme Rechte vielfältige Anknüpfungspunkte und sind ein guter Nährboden für Geschichtsrevisionismus und aggressiven Nationalismus. Sie setzen geflüchtete und vertriebene Deutsche mit Betroffenen von Konzentrations- und Vernichtungslagern oder Betroffenen der „Verbrannten Erde“-Politik der Wehrmacht in der Sowjetunion gleich. Damit findet sowohl eine zahlenmäßige Relativierung als auch eine qualitative Verharmlosung statt. Teile der sog. Vertriebenenverbände fordern bis heute eine Revision der Grenzen, also eine „Rückgabe“ von Gebieten des heutigen Polens und Tschechiens an Deutschland.

Vielerorts ist der „Volkstrauertag“ im November und die unzähligen alten Kriegsdenkmäler aus dem Ersten Weltkrieg ebenfalls ein willkommenes ideologisches Futter. Auf den Tafeln der Denkmäler wird zumeist an die „auf dem Feld der Ehre für Volk und Vaterland gefallenen heldenhaften deutschen Soldaten“ des Ersten und Zweiten Weltkriegs erinnert. Die Gründe für diese Kriege und die Rolle des deutschen Reiches, als den zweimaligen Hauptaggressor sowie die begangenen Grausamkeiten an anderen Bevölkerungen werden dabei systematisch außer Acht gelassen.

Nicht nur die falsche Einordnung einzelner Ereignisse in internationale wirtschaftliche, militärische und gesellschaftliche Zusammenhänge zeichnen den Geschichtsrevisionismus der Rechten und Faschisten aus, sondern auch eine einseitige selbstbezogene, nationalistische und oftmals sogarrassistische Betrachtungsweise.

…und in Pforzheim.
Die Bombardierung zehn Wochen vor Kriegsende war Teil der britischen Militärstrategie, nächtliche Flächenbombardements auf Innenstädte zu fliegen und durch unzählige Tote eine „Demoralisierung“ der Bevölkerung zu erreichen, anstatt gezielt militärische und wirtschaftliche Ziele zu zerstören. Es ist kein Geheimnis, dass die westlichen Alliierten an einer möglichst langen Aufreibung der sozialistischen Sowjetunion interessiert waren und dieses Interesse auch in Pforzheim umsetzten, indem sie größere Industrieanlagen außerhalb der Stadt nicht angriffen. Auch für uns sind die Ereignisse in Pforzheim am 23. Februar 1945 kein Grund zum Feiern.
In der Stadt Pforzheim versucht der rechte „Freundeskreis – Ein Herz für Deutschland“ (FHD) die geschichtlichen Ereignisse für sich zu nutzen. Hierbei geben sich die führenden Akteure des FHD nach außen bieder und eher konservativ, sie verzichten auf offen faschistische Parolen und versuchen, ihre Aufrufe rund um die Bombardierung der Stadt seriös und wissenschaftlich erscheinen zu erlassen und sie sehen sich als große Vorkämpfer gegen die verhasste „Politische Korrektheit“. Am 23. Februar versuchen sie in erster Linie, das Datum der Bombardierung zur Verbreitung ihrer faschistischen Ideologie zu instrumentalisieren.
Wie weit rechts der FHD jedoch wirklich steht und was er mit seinen Aktivitäten rund um das Datum der Bombardierung Pforzheims bezwecken will, wird deutlich, wenn man seine Akteure etwas genauer betrachtet. Viele Mitglieder des „Freundeskreises“ sind auch in der NPD organisiert und unterhalten enge Kontakte zu regionalen Kameradschaften und gewaltbereiten Gruppierungen, die immer wieder militant auffallen. Der FHD-Vorsitzende Silvio Covaglia beispielsweise ist bekennender Antisemit, Rassist und Faschist und hat bundesweite Kontakte in den braunen Sumpf.

Die Stadt Pforzheim macht ihnen die Instrumentalisierung und den Missbrauch des Gedenkens nicht gerade besonders schwer. Auf den offiziell von der Stadt angebrachten Stelen und Gedenktafeln wird lediglich auf die Entwicklung der Industrie und die Bombardierung der Stadt durch die Alliierten eingegangen. Von der Machtübergabe an die Faschisten ’33, den hohen Wahlergebnissen für die NSDAP sowie den von Deutschland begonnen Krieg und von den unzähligen Verbrechen der faschistischen Diktatur ist nichts zu lesen. Auch zu den tausenden in der Pforzheimer Rüstungsindustrie eingesetzten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern fällt kein Wort.
Ihre Ablehnung gegenüber dem Nazigedenken begründete die Stadt in den vergangenen Jahren damit, dass es sich bei den Nazis um Extremisten handle. Immer wieder betont die Stadt Pforzheim, dass sie sich gegen jede Art von politischen Extremismus wende, egal ob von rechts oder links.
Alleine das Aufgreifen der reaktionären, unwissenschaftlichen Extremismustheorie, die mittlerweile auch Staatsdoktrin ist, spricht dabei für sich. Durch die Gleichsetzung des linken und rechten politischen Lagers, entsteht auf der einen Seite ein Klima und eine Handhabe gegen fortschrittliche linke Kräfte in der Gesellschaft und auf der anderen Seite fördert man so indirekt rechte und faschistische Tendenzen. In den vergangenen Jahren führte dies auch dazu, dass die Polizei den Aufmarsch der Faschisten, mit einem massiven Aufgebot und Gewalt gegenüber antifaschistischen Protesten durchsetzen konnte.
Wie so oft, müssen wir die Unterbindung von Nazi-Propaganda und das Verhindern faschistischer Umtriebe selbst in die Hand nehmen. Wir können und dürfen uns nicht auf Staat, Polizei und Gerichte verlassen – diese sind oftmals selbst Teil des Problems. Egal ob bezahlte V-Leute in faschistischen Strukturen, bewusstes Wegschauen, das Verschweigen von rechten Umtrieben oder das Ermöglichen faschistischer Aufmärsche durch riesige und brutale Polizeieinsätze – die konkreten Beispiele sind unzählig.

Es liegt an uns Antifaschistinnen und Antifaschisten, sich zu organisieren und zusammenzuschließen, damit wir uns gegen die Gefahr von Rechts wehren können. Solidarisch,entschlossen und mit fortschrittlichen Konzepten können wir gemeinsam faschistische Propaganda unterbinden und eine zeitgemäße Theorie und Praxis entwickeln, die unseren Ansprüchen gerecht wird. Nur eine kämpferische antifaschistische Bewegung wird auf längere Sicht stark genug sein, den Einfluss der rückwärtsgewandten Kräfte in dieser Gesellschaft zurückzudrängen. Unser Ziel ist eine solidarische Gesellschaft. Das bedeutet für uns vor allem, sich regional und überregional zu organisieren und mit möglichst vielen, eine gemeinsame Praxis und folglich auch eine Stärke zu entwickeln.

Wir werden auch in diesem Jahr versuchen, am 23. Februar den Naziaufmarsch in Pforzheim am 69. Jahrestag der Bombardierung zu verhindern! Dafür gibt es vielfältige Mittel und Herangehensweisen, denn oftmals sind es die verschiedenen einzelnen Aktionsformen, die zusammen zur Verhinderung eines Naziaufmarsches führen. Es spielt keine Rolle, ob es Blockaden, spontanes Agieren und direkte Aktionen sind – die Nazis werden in Pforzheim nicht ungestört aufmarschieren können.

Den Faschisten am 23. Februar entgegentreten!
Gegen Geschichtsrevisionismus und für eine aufgeklärte Gedenkkultur!
Die Antifaschistische Aktion aufbauen!

Dieser Aufruf wird herausgegeben von:
Antifaschistische Linke Bühl-Achern
Antifaschistische Aktion Lörrach
Antifaschistische Jugend Ludwigshafen/Mannheim
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Rastatt/Baden-Baden
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Stuttgart
Antifaschistische Aktion [O] Villingen-Schwenningen

… und wird unterstützt von:
Antifaschistische Aktion Bad Bergzabern
Antifa Ortenau
Antifaschistische Linke Freiburg (ALFR)
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Tübingen
Antifaschistische Jugend Rems-Murr
Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Baden-Württemberg
Friedensinitiative Bruchsal
Linksjugend [’solid] Baden-Württemberg
Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Baden-Württemberg
Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Tübingen
Reinhard Püschel, DKP-Stadtrat, Heidenheim

Februar 2013: Kein Naziaufmarsch am 23. Februar in Pforzheim!

23. Februar: Naziaufmarsch, städtisches Gedenken, Antifaschistische Aktion

Anlässlich der Bombardierung Pforzheims am 23. Februar 1945 durch die englische Luftwaffe soll dort dieses Jahr am Jahrestag der Bombardierung wieder ein faschistisches Gedenken stattfinden. Seit 1994 organisiert der Pforzheimer Verein “Freundeskreis ein Herz für Deutschland” auf dem Wartberg jährlich eine Fackelmahnwache zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung. Der Naziaufmarsch wird jährlich von bis zu 150 TeilnehmerInnen aus dem gesamten süddeutschen Raum besucht. Dagegen richtet sich seit 2002 antifaschistischer Protest, damals gelang es auch, bisher das einzige Mal die faschistische Mahnwache zu verhindern. Parallel veranstaltet die Stadt eigene Gedenkfeierlichkeiten, seit 2003 ist der 23. Februar offizieller Gedenktag in Pforzheim. An mehreren Orten in der Stadt finden sich Gedenktafeln und Stehlen zur Erinnerung an das Bombardement. Lediglich 2012 veranstaltete ein von der Stadt mitinitiiertes Bündnis eine Kundgebung. Dieses sprach sich gegen “extremistisches Gedankengut” aus und fügte konsequenterweise ausdrücklich hinzu “egal ob von rechts oder links”.

 

Städtisches Gedenken und Verdrehung der Geschichte von Rechts

Faschisten greifen die Bombardierung deutscher Städte immer wieder auf, dadurch, dass sie den Fokus ausschließlich auf die deutschen Opfer richten und Tatsachen, wie den von Deutschland losgetretenen Krieg, den Vernichtungsfeldzug im Osten und den industrielle Massenmord an Millionen Menschen ausblenden und bewusst verschweigen, wird das “deutsche Volk” zum Opfer ausländischer Aggression erklärt. So werden das für die faschistische Ideologie essentielle Konstrukt eines Volkes als Schicksalsgemeinschaft heraufbeschworen und die Folgen und Verbrechen des Faschismus relativiert.

Die Mahnwache der Faschisten in Pforzheim beginnt jährlich um 19.47 Uhr, der Uhrzeit der Bombardierung. Wie der damalige Luftangriff dauert auch die Kundgebug 20 Minuten. Dies und die verwendeten Fackeln zeigen: Es geht ihnen um eine feierliche und pathetische Inszenierung ihres Aufmarsches. In den Publikationen des “Freundeskreis ein Herz für Deutschland” wird auf offen faschistische Parolen verzichtet. Durch die Eigenbezeichnung als “nationalkonservativ” versucht dieser, genauso wie durch sein biederes Auftreten, trotz seiner offensichtlichen inhaltlichen und personellen Überschneidung mit der faschistischen Bewegung offen für das rechte bürgerliche Lager zu sein.

Anknüpfungspunkte finden die Faschisten beim offiziellen Gedenken der Stadt. Dieses konzentriert sich fast ausschließlich auf die Bombardierung Pforzheims, beispielsweise wird auf einer von der Stadt aufgestellten Gedenktafel über die Zeit von 1900 bis 1945 lediglich geschrieben, dass sich die feinmechanische Industrie entwickelte. Von der Umstellung dieser auf Rüstungsproduktion, von der Machtübertragung an die Nazi-Faschisten oder dem von Deutschland losgetreten Weltkrieg ist keine Rede. In dem letztjährigen Aufruf, des von der Stadt mitinitiierten Bündnis “Pforzheim Nazifrei”, wird nicht auf Weltkrieg, Faschismus und die Rolle Pforzheims in dieser Zeit eingegangen. Begründet wird die Ablehnung des Nazi-Gedenkens lediglich durch die Feststellung, dass es sich dabei um “Extremisten” handele.

Dieser bürgerliche Protest ist eine Farce. Ein nachhaltiges Vorgehen gegen Rechts setzt eine Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Ideologie des Faschismus voraus. Mehr noch: Wer den Opfern der Bombardierung Pforzheims gedenkt und dabei die zwölfJahre Geschichte davor vollkommen ausblendet, schafft Anknüpfungspunkte für die Faschisten.
Skandalös ist auch die Politik der Stadt Pforzheim, die in den vergangenen Jahren keinen Versuch unterließ, den Pforzheimer Antifaschistinnen und Antifaschisten Knüppel zwischen die Beine zu werfen. So verbot die Stadt in der jüngsten Vergangenheit immer wieder antifaschistische Demonstrationen, Konzerte, Ausstellungen und Bildungsveranstaltungen oder übte auf das städtische Jugendzentrum solch immensen Druck aus, dass dieses antifaschistische Veranstaltungen absagte. In Erinnerung ist außerdem das unsägliche Vorgehen der Stadt, antifaschistische Demonstrationen und Kundgebungen mit Anmeldegebühren zu belegen.

Was also davon zu halten ist, wenn sich die Stadt Pforzheim inzwischen alibimäßig gegen die Mahnwache der Faschisten und sogenanntem Extremismus ausspricht, müsste offensichtlich sein: Wer von “Extremismus” spricht, setzt die Faschisten und ihre Gegner gleich und meint damit zudem eigentlich die Linken. Es war schon immer so, dass wer behauptet, zwischen den Stühlen zu sitzen, mindestens zur Hälfte auf dem rechten sitzt. Zumal im Fall der Stadt Pforzheim, die den Faschisten tatsächlich Schützenhilfe gibt, indem sie mit einer solchen Beharrlichkeit und über Jahre hinweg gegen genau die Leute vorgeht, die dem faschistischen Treiben in ihrer Stadt entgegentreten wollen.

Antifaschistische Intervention!
Wir rufen dazu auf, am 23. Februar 2013, den Rechten in Pforzheim mit vielfältigen Mitteln und kreativen Aktionen entgegenzutreten. Denn ebenso wichtig, wie eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Faschismus, ist es, den Nazis nicht die “Straße” zu überlassen und ihnen offensiv entgegenzutreten.
Den Erfolg antifaschistischen Protests jedoch allein daran zu bewerten, ob ein Naziaufmarsch stattfinden konnte oder nicht, greift zu kurz. Denn wenn Antifaschistinnen und Antifaschisten gegen Nazis auf die Straße gehen, sehen sie sich einem hochgerüsteten und repressiv agierenden Polizeiapparat gegenüber, der es oftmals nahezu unmöglich macht die Aufmärsche der Faschisten zu stoppen. Deswegen ist es notwendig, unsere Aktionsformen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Auf der Straße müssen sich verschiedene Formen des zivilen Ungehorsam, wie Blockaden und direkte Aktionen, gegen Nazis ergänzen.

Kasten: Flächenbombardements und imperialistischer Krieg

Zehn Wochen vor der Kapitulation des faschistischen Deutschlands fand der Bombenangriff der britischen “Royal Airforce” auf Pforzheim statt. Ein Großteil der in der Stadt ansässigen Industrie war in Kleinbetrieben organisiert und in Wohngebiete integriert. Während des Krieges wurden dort hauptsächlich Zünder für Bomben und Granaten
hergestellt. Straßen- und Schienenwege, die durch die Stadt führten, dienten damals auch dem Transport von Truppen und Rüstungsgütern. Durch das Bombardement mit Spreng- und Brandbomben wurde fast die gesamte Innenstadt zerstört, etwa 17.600 Menschenfielen diesem Angriff zum Opfer, darunter größtenteils ZivilistInnen. Größere Industrieanlagen außerhalb der Stadt blieben allerdings verschont.
Die Bombardierung Pforzheims war, ebenso wie die Bombardierung zahlreicher anderer deutscher Städte durch die “Royal Airforce”, Teil einer englischen Militärstrategie, die sich auf nächtliche Flächenbombardements auf Stadtzentren konzentrierte, anstatt gezielte Angriffe auf industrielle und militärische Infrastruktur zu forcieren. Die Betonung der angeblich “moralischen Schwächung der Bevölkerung” (moral bombing) durch diese Kriegshandlungen kann keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage nach deren Hintergrund sein. Vielmehr muss auch in diesem Krieg nach den dahinterstehenden ökonomischen und geostrategischen Interessen der beteiligten Mächte gefragt werden – insbesondere wenn dabei eine sozialistische Kraft, wie die Sowjetunion, im Spiel ist, die der grundlegenden Ausrichung imperialistischer Staaten, wie Großbritannien oder den USA, fundamental entgegensteht. Das englische Interesse nach einer offensichtlichen aber ineffektiven Kriegsführung mit viel Zerstörung und wenig kriegsrelevanten Ergebnissen zur möglichst langen Aufreibung der Sowjetunion deutet dabei in eine ähnliche Richtung, wie die enorm verspätete Bildung einer zweiten Front durch die USA.
Das Vorgehen der Westalliierten im zweiten Weltkrieg ist weder als “moralische Heldentat”, noch als “boshafter Vernichtungsschlag” zu verstehen. Es lässt sich ausschließlich im Rahmen einer Analyse des damaligen Interessengemenge aller beteiligten imperialistischen Staaten verstehen. Fest steht: Die Flächenbombardements im Kampf gegen das faschistische Deutschland, waren eine Reaktion auf den vom deutschen Kapital begonnenen Vernichtungskrieg, sind aber mitnichten ein Kriegsereignis, auf das wir uns heute als Linke und AntifaschistInnen positiv berufen können.

Antifaschistische Demonstration: 15.30 Uhr, Pforzheim Hbf
Anschließend Aktionen gegen die Nazimahnwache!

Kein Naziaufmarsch am 23. Februar in Pforzheim!
Die Antifaschistische Aktion aufbauen!

 

Januar 2013